Geschichte aus persönlicher Sicht

Um etwas mehr über die Geschichte des Gebäudes zu erfahren, besuchten wir den Ururneffen der Erbauerin in Budapest.

Der Reporter (li) und Baron Antal Lipthay de Kisfalud et Lubelle

Der Reporter (li) und Baron Antal Lipthay de Kisfalud et Lubelle

Meine Frau und ich wurden von Baron Lipthay herzlichst empfangen und erfuhren einige interessante Information aus persönlicher Sicht.
Wie schon erwähnt, ließ Amalia von Mack den Margarethenhof erbauen. Amalia dürfte sehr vermögend gewesen sein.
Ihre Ehe mit Baron Bela Lipthay de Kisfalud et Lubelle blieb kinderlos und mit dem Tod von Bela erlosch diese Linie des Hauses Lipthay de Kisfalud et Lubelle. Amalia starb 1915.
Über ihren Mann Bela erfuhren wir, dass er der zweite Sohn von Frigyes Lipthay de Kisfalud et Lubelle und Karolina (geb. Csekonics) war. Die Familie hatte große Bedeutung für Ungarn im 16. Jhdt und stammt ursprünglich aus Lipto (heute Slowakische Republik). Nachdem er im Unabhängigkeitskrieg 1848-49 schwer verletzt worden war und fast eine Hand verlor, zog sich Bela zunächst auf das Landgut der Familie nach Lovrin, Torontal zurück. Erst ein Jahrzehnt später startete er seine politische Laufbahn. Zunächst als Gouverneur von Baranya, danach von Pest (der größten Region Ungarns), kam ins Unterhaus und später ins Oberhaus.
p1110381Bela Lipthay
Wie viele andere Angehörige des Adelsstandes damals ließ er in Budapest ein sehr schönes Palais an der Donau errichten. Das Palais war sehr großzügig angelegt und das Leben dürfte sehr geordnet abgelaufen sein. Zum Beispiel hatten Amalia und Bela ihre Schlafzimmer an den jeweilig entgegengesetzten Enden des Hauses. Getrennte Schlafzimmer waren zu dieser Zeit in der Oberschicht nicht ungewöhnlich. Nach der Machtübernahme ließen die Kommunisten das Palais schleifen. Schon zuvor wurde das Gebäude geplündert und vieles verschwand in Richtung Russland.
Von den Leistungen Belas als Politiker ist wenig bekannt. Er war jedenfalls einer der größten Steuerzahler seiner Zeit und in zahlreiche Entwicklungsprojekte involviert. So wirkte er als Vorsitzender des Gründungskommitees für das Nationaltheater in Budapest und Mitglied des Aufsichtsrates zur Errichtung des Ungarischen Parlaments in Budapest. Vielleicht kam Amalia so in Kontakt mit den Architekten des Margaretenhofs und vieler Theater in der Donau-Monarchie, Helmer und Fellner.
Vielleicht noch ein kurioses Detail: Bela verfügte testamentarisch, dass man nicht über ihn sprechen sollte bis 70 Jahre nach seinem Tod. Warum, ist (zumindest dem Reporter) nicht bekannt.
(Quelle: Gespräch mit Antal Lipthay, ergänzt um Angaben auf der Website der Familie)

Stammbaum der Familie Lipthay de Kisfalud et Lubelle

Stammbaum der Familie Lipthay de Kisfalud et Lubelle